Warum der Generationenvertrag zur Schlüsselfrage für Unternehmen wird
Der Generationenvertrag ist eines der Themen, das Unternehmen heute unmittelbar betrifft. Es entscheidet mit darüber, wie wirtschaftliche Stabilität, Fachkräftegewinnung, Investitionen und Planungssicherheit in Zukunft möglich bleiben. Die dritte Ausgabe von Next Mittelstand widmete sich genau diesen Fragen und brachte Führungspersönlichkeiten entlang der Rheinschiene zu einem klaren, ehrlichen Austausch zusammen.
Warum der Generationenvertrag für Unternehmen entscheidend ist
Im Kern geht es darum, wie Belastungen, Chancen und Verantwortung zwischen den Generationen verteilt sind. Wenn Beiträge steigen, Fachkräfte fehlen oder politische Zielkonflikte ungelöst bleiben, betrifft das nicht nur Beschäftigte, sondern auch Unternehmen, die langfristig planen und investieren müssen.
Politische Einordnung von Gordon Schnieder
„Wir müssen an die Grundsätze der Systeme ran.“ Gordon Schnieder, Kreisvorsitzender der CDU Vulkaneifel und Ministerpräsident-Kandidat Rheinland Pfalz, zeigte, wie stark die aktuelle Rentendebatte die Stabilität des Systems herausfordert. Seine Botschaft: Das jetzige Rentensystem ist obsolet und wird den Bedürfnissen einer sich demografisch stark wandelnden Gesellschaft schon längst nicht mehr gerecht. Es benötige deshalb die politische Bereitschaft, es kritisch zu hinterfragen und zu verändern. Hier seien alle politisch etablierten Parteien aufgefordert zusammenzuarbeiten und Kompromisse zu finden, anstatt den Fokus immer nur auf die eigene parteipolitische Agenda zu legen.
„Der typische Mittelstand ist ein Umfeld, das in Generationen denkt“ Gordon Schnieder
Schnieder führte außerdem aus, was der Mittelstand seiner Meinung nach braucht, um in eine starke Zukunft zu gehen, bzw. zunächst einmal, was Unternehmen seiner Meinung nach stark in ihrer Entwicklung behindere: nämlich eine überbordende Bürokratie, die Schnieder selbst als Gängelei empfindet. Komplizierte Genehmigungsverfahren und Prozesse müssten deutlich vereinfacht werden. Aufgabe der Politik sei es lediglich bürokratische Leitplanken zu setzen, in denen sich Wirtschaft, Kommunen und Gesellschaft frei bewegen können.
Ökonomische Perspektive von Hans Joachim Reinke
Hans Joachim Reinke machte deutlich, wie eng wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilität miteinander verbunden sind. Energiepreise, Sicherheit, Infrastruktur und Demografie bilden die Grundlage dafür, dass Unternehmen überhaupt verlässlich agieren können. Nachhaltigkeit bedeutet deshalb, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für kommende Generationen mitzudenken. Zugespitzt formuliert Reinke: „Altersvorsorge und ökologische Nachhaltigkeit, das sind die Themen, bei denen wir uns an der Jugend versündigen.“
Reinkes Vortrag beginnt mit der Aussage, das Geschäftsmodell Deutschland sei tot, denn bisherige Verlässlichkeit – billige Energie aus Russland, Amerika als ein starker Partner im Rücken, erfolgreicher Export und billige Importe aus China – gelten nicht mehr. Deutschland muss sich nun neuen Herausforderungen stellen: Woher bekommen wir bezahlbare Energie? Wie steht es mit unserer inneren und äußeren Sicherheit, wie bekommen wir unsere marode Infrastruktur in den Griff und was bedeutet die sich wandelnde Demografie für die Zukunft unseres Landes? Einige Antworten reißt Reinke in seinem Vortrag an. Er fordert das Budget für Investitionen in die Infrastruktur zu erhöhen, denn die bisher geplanten Finanzen würden nicht auseichen. Allein für die Erneuerung von Bahn, Straßen und Wasserwege sei ein Invest von 400 Milliarden Euro notwendig.
Ein weiterer Schwerpunkt seines Impulses lag auf der Altersvorsorge. Das bestehende System ist nur begrenzt steuerbar: Beiträge oder Leistungen. Mehr Stellschrauben gibt es kaum. Entsprechend werden ergänzende Vorsorgemodelle, längere Erwerbsphasen und eine zeitgemäße Einwanderungspolitik an Bedeutung gewinnen.
In der anschließenden Diskussion gab Reinke folgenden Rat an die Wirtschaft. Deutschland als Wirtschaftsstandort benötige im Spannungsfeld zwischen USA und China eine eigene selbstbewusste Position. Um diese zu erlangen, müsse in Strukturbrüchen gedacht werden. Und mikroökonomisch gesehen. Unternehmen benötigen eine authentische und verlässliche Kultur, damit sie von ihren eigenen Mitarbeitenden als Arbeitgeber weiterempfohlen werden.
Was bleibt nach diesem Abend
Viele Teilnehmer:innen nahmen die Erkenntnis mit, dass Zukunftsfähigkeit nicht nur von politischen Entscheidungen abhängt, sondern auch vom Mut der Unternehmen, Veränderungen aktiv mitzugestalten. Der Abend zeigte, wie wichtig es ist, die Perspektiven aus Politik, Finanzwelt und Mittelstand zusammenzubringen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Format und Gastgeber
Next Mittelstand ist ein exklusives Netzwerk- und Impulsformat für Geschäftsführungen, Inhaberinnen und Führungskräfte mittelständischer Unternehmen.
Getragen wird das Format von der Wahl Firmengruppe, dem Steigenberger Hotel Bad Neuenahr und der Agentur P21.
Ziel ist ein Raum für Orientierung, Austausch auf Augenhöhe und persönliche Gespräche.